9. Ausstellung 2012 - Hamm-Heesen

 

 

   In der Josefskirche in Hamm-Heessen wird das Leben des Josef aus Nazaret durch über 300 Egli-Figuren ‚lebendig'.
In der Bibel steht nicht viel über Josef, - kein einziges Wort wird von ihm überliefert. Josef war ein Hörender - mehrmals reagiert er auf die Worte des Engels und wird so für das Leben Jesu unendlich wichtig. Josef ist im Stammbaum Jesu namentlich erwähnt als Vater von Jesus.   
   Josef kommt aus Betlehem, aus dem Stamm von König David. Er war verlobt mit Maria.
Verlobung bedeutet:
ihre Familien hatten eine Hochzeit vereinbart. Nach den Sitten der damaligen Zeit wird Maria etwa 12 Jahre alt gewesen sein, Josef ein paar Jahre älter.

 

Nach der Verlobung sollte Maria noch ein Jahr lang bei ihren Eltern wohnen, danach würde Josef sie in ihr gemeinsames Haus holen...
Doch vorher geschah etwas, womit keiner gerechnet hatte. Der Engel Gabriel kam zu Maria und verkündigte ihr eine Schwangerschaft - und die Geburt eines Sohnes, durch die Kraft Gottes. Maria willigte in den Plan Gottes ein...
  

 

   ...und verließ Nazaret für einen dreimonatigen Besuch bei ihrer schwangeren Kusine Elisabet. Sie blieb bei Elisabet und Zacharias bis zur Geburt des kleinen Johannes.

 

Als Maria nach Nazaret zurückkehrte, konnte jeder sehen, dass sie ein Baby erwartete.   
   Das sorgte für große Unruhe, denn Maria lebte ja noch nicht mit Josef zusammen. Als unverheiratete Frau war die Schwangerschaft für Maria eine schwierige Situation. Nach damaligem Gesetz hätte Maria gesteinigt werden müssen.

 

Josef wusste, dass Marias Kind nicht von ihm war. Weil er ein gerechter Mann war und Maria nicht bloßstellen wollte, beschloss Josef, sich in aller Stille von ihr zu trennen… Doch im Traum erschien Josef ein Engel, der ihn in Gottes Plan einweihte und ihn aufforderte, Maria nicht im Stich zu lassen.   
   Josef nahm Maria als seine Frau zu sich.

 

In jener Zeit herrschten die Römer in Israel. Ihr Kaiser Augustus ordnete die erste Volkszählung der Geschichte an und erließ den Befehl: „Alle Untertanen meines Reiches haben in die Stadt zu gehen, in der sie geboren wurden. Dort sollen sie sich in Steuerlisten eintragen lassen!“   

 

   Weil Josefs Familie aus Betlehem stammte, machte er sich mit der hochschwangeren Maria auf den Weg durch die Berge Judäas.

 

Als sie Betlehem erreichten, wimmelte die Stadt von Menschen.
Von überall her waren Leute gekommen; alle brauchten Übernachtungs plätze. In ganz Betlehem gab es kein Zimmer für Maria und Josef.
  

 

   So brachte Maria ihr Kind, einen Sohn, draußen vor der Stadt zur Welt...
...an einem Ort, an dem sonst Tiere untergestellt waren...
Maria und Josef wickelten das Neugeborene in Windeln.

 

Es waren noch andere Menschen draußen auf den Feldern vor Betlehem: Hirten wachten bei ihrer Herde... Sie hatten die Nachricht von der Geburt des Kindes von Engeln gehört: „Heute Nacht ist in Betlehem ein Kind geboren, es ist der Messias, der Retter. Geht! Ihr werdet es finden, das Kind, das in Windeln gewickelt liegt...“

 

Da machten sich die Hirten auf den Weg nach Betlehem... und fanden Maria und Josef und das Kind.

 

   Wie es bei den Juden üblich war und ist, zogen Maria und Josef nach Jerusalem, um Gott im Tempel ihr erstes Kind vorstellen und um ihren Dank darzubringen - 2 junge Tauben, so wie es das Gesetz vorschreibt.

 

In Jerusalem lebte zu dieser Zeit ein alter Mann, Simeon. Er war gerecht und lebte mit Gottes Versprechen: ‚Du sollst nicht sterben, bevor du den Messias, den Gesalbten Gottes, gesehen hast.' Als Maria und Josef mit Jesus den Tempel betraten, erkannt Simeon in dem kleinen Kind den von Gott versprochenen Messias. Er nahm das Kind in seine Arme und sang ein Loblied für Gott.   
Im Tempel lebte auch die alte Prophetin Hanna. Auch sie lobte Gott und bestätigte alles, was Simeon über Jesus gesagt hatte.

 

 

   Maria und Josef kehrten nach Betlehem zurück und wohnten hier eine Zeitlang, denn im Mt-Evangelium können wir nachlesen, dass sie dort Besuch bekamen von Männern aus dem Osten, die schon seit Wochen einem hellen Stern am Himmel gefolgt waren - dem Zeichen Gottes. Der Stern führte sie nach Jerusalem. Dort regierte König Herodes.

 

Die Nachricht, dass ein neuer König, ein Messias, geboren sein soll, löste bei Herodes und seinen Anhängern großen Schrecken aus. Denn ein neuer König könnte ihnen ihre Macht streitig machen. Herodes schickte die Sterndeuter nach Betlehem, den neugeborenen König zu suchen, und forderte sie auf, ihm anschließend Bericht zu erstatten… Der Stern führte die Sterndeuter zu dem Haus, in dem das Kind war.   

 

   Sie beten es an und machten ihm kostbare Geschenke:
Gold - für den König
Weihrauch - für den Priester
Myrrhe - als Zeichen des Todes und des ewigen Lebens
Und weil ein Engel sie davor warnte, zu König Herodes zurückzukehren, nahmen sie einen anderen Weg zurück in ihre Heimat.

 

Nach dem Aufbruch der Sterndeuter hatte auch Josef einen Traum. Ein Engel forderte ihn auf, noch in dieser Nacht mit Maria und dem Kind nach Ägypten zu fliehen.   
   Als König Herodes merkte, dass die Sterndeuter nicht zu ihm zurückkamen, wurde er zornig und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Jungen im Alter bis zu zwei Jahren töten.

 

Dadurch sollte auch das neugeborene Königskind beseitigt werden...   

 

   Als König Herodes gestorben war, erschien Josef in Ägypten im Traum wieder ein Engel Gottes, der sagte: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die das Kind umbringen wollten, sind tot.“ Josef hörte auf die Worte des Engels. Er zog mit Jesus und Maria zurück nach Israel. Die Familie und ließ sich in Nazaret nieder.

 

Über die Kindheit Jesu wissen wir nicht viel. Wir wissen nur, dass Jesus in seiner Familie in Nazaret aufgewachsen ist...
und dort so lange blieb, bis er erwachsen war...

 

Vielleicht war es so wie in jeder Familie:
Die Frauen versorgten damals den Haushalt: Sie schöpften das Wasser am Brunnen im Dorf, saßen auf der Erde und mahlten das Getreide, machte aus dem Mehl einen Teig und backten Brot, sie kochten, haben Wolle und Leinen gesponnen, gewebt und gestickt...
  

 

   ...während die Männer ihrer Arbeit nachgingen. Sicher hat Jesus wie jedes Kind genau beobachtet, was Vater und Mutter machten. Vielleicht hat Jesus als er größer wurde auch bei diesen Arbeiten geholfen.

 

Wie jedes Kind hat sich auch für seine Umgebung interessiert, für die Wohnung, die Tiere, die Pflanzen, die Landschaft ringsherum. Er lernte sein Leben als Mensch unter Menschen an der Seite von Maria und Josef.   

 

Was Jesus in seiner Kindheit und Jugend erlebt hat, finden wir in den Gleichnissen der Evangelien wieder....

 

 

Vom Sämann / Vom Wachsen und Reifen / Vom Weinberg / Vom guten Hirten / Vom verlorenen Schaf, der verlorenen Drachme, vom verlorenen Sohn....

 

   Josef und Maria waren gläubige Juden und sorgten auch für die Weitergabe des Glaubens an Jesus. Gemeinsam mit anderen Kindern lernte Jesus die Heiligen Schriften kennen...
...und mit Freunden und Verwandten waren auch Maria und Josef mit Jesus bei den Pilgern, die zum Paschafest nach Jerusalem in den Tempel zogen, dort beteten und sieben Tage lang feierten.   

 

Nach dem Fest - auf dem Rückweg nach Nazaret - vermissten Maria und Josef ihren zwölfjährigen Sohn. Erst glaubten sie, dass er zusammen mit den anderen Jungen weiter vorne in der Gruppe ging. Doch niemand hatte Jesus gesehen.

 

   Schließlich kehrten Maria und Josef um und suchten die ganze Stadt Jerusalem - und fanden Jesus am dritten Tag mitten unter den Lehrern und Schriftgelehrten im Tempel, hörte ihnen zu, stellte ihnen Fragen. Alle waren beeindruckt von dem Zwölfjährigen, der nicht nur lernbegierig war, sondern auch klug, und er gab auf Fragen Antworten, dass alle staunten.

 

Aber seine Eltern waren sehr betroffen. „Jesus, was denkst du dir eigentlich?“ fragte Maria. „Kannst du dir nicht vorstellen, welche Sorgen dein Vater und ich uns gemacht haben? Wir haben dich überall gesucht!“ Jesus antwortete: „Warum habt ihr euch Sorgen gemacht und mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich hier sein muss, im Hause meines Vaters?“ Zusammen kehrten sie zurück nach Nazaret.

 

Vermutlich haben Josef und Maria Jesus aber in die religiösen Traditionen des Judentums und in die Gesetze eingeführt. Dazu gehört auch das Anlegen von Tefillin, das sind Lederkapseln, die Tora-Stellen auf Pergament enthalten, und mit Lederriemen an Hand und Kopf befestigt werden.   

 

   Jesus wird Josef bei seiner Arbeit in der Werkstatt unterstützt haben - so wie es in einer Familie üblich war und ist.

 

Die Evangelien überliefern uns ausführlich, wie das Leben Jesu weiter verlief. Wir können auch lesen, dass seine Mutter Maria wie viele andere Jünger und Jüngerinnen Jesus begleiteten, aber wir lesen nach dem Paschafest in Jerusalem nichts mehr von Josef. Nicht Josef war wichtig für die Evangelisten, sondern Jesus allein...

 

Und doch muss Josef irgendwann gestorben sein. Vielleicht waren sie sogar dabei, als Josef gestorben ist und machten das, was damals getan wurde...   

 

   Die Familie betete mit dem Sterbenden, vor allem das Sch´ma Jisrael. Sobald der Tod eines Menschen festgestellt wurde, schloss man ihm die Augen, wusch ihn, zog ihm ein einfaches Totengewand an oder hüllte ihn in Leinentücher; Männern wird auch der Tallit, ihr Gebetsschal, angelegt. Dieses übernahmen die Verwandten des Verstorbenen.

 

Das Begräbnis erfolgt noch am selben Tag. Man legte den Verstobenen in ein Grab, in das Familiengrab, und verschloss dieses mit einer Steinplatte... Die Familie zerriss aus Trauer die Kleider. Dies war ein wichtiges Trauerritual, das ebenso wie die Totenklage durch Klagefrauen zur ehrenhaften Bestattung dazugehörte... Das Totengebet am Grab, den Kaddisch, spricht der Sohn oder der nächste männliche Verwandte.   

 

Nach der Beisetzung gingen die Angehörigen wieder nach Hause, begleitet von Menschen, die ihnen Trost spendeten und Beileid bekundeten. Die Familie verbrachte die nächsten Tage trauernd zu Hause. Im Anschluss an einen Todesfall in der engeren Familie wird das Kaddisch vom nächsten männlichen Angehörigen elf Monate lang täglich gesprochen. Am Jahrestag eines Todesfalles wird es noch einmal gesprochen, und damit endet diese Form ritualisierter Trauer.

 

   Josef war Jude. Wir können davon ausgehen, dass er so wie alle Juden beigesetzt wurde. Für einen Juden ist es wichtig, dass er durch seine Nachkommen weiterlebt. Wer Kinder hat, hat jemanden, der für ihn zu Gott betet, wenn er selbst gestorben ist. So hat auch Josef gedacht. Er hat Jesus im Glauben seiner Väter erzogen. Von Josef hat Jesus seinen Glauben gelernt - und an alle Menschen weitergegeben...

 

So wie Josef für Jesus ein Vorbild im Glauben war - ist Jesus für uns Christen zum Vorbild geworden. „Dies ist mein geliebter Sohn! Auf ihn sollt ihr hören!“ Diese Worte kennen wir aus der Bibel... Wenn es uns gelingt, auf Jesu Worte zu hören, dann haben wir etwas gemeinsam mit Josef, dann sind auch wir Hörende.

 

 

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