20. + 21. Ausstellung 2017 - Hamm,Sendenhorst und Vechta

 

   Wenn im Herbst bei Einbruch der Dunkelheit Kinder mit ihren Laternen singend durch die Straßen ziehen, dann wird in katholischen Gegenden an den Heiligen Martin von Tours gedacht. In manchen evangelisch geprägten Regionen wird das Martini-Singen dem Reformator Martin Luther gewidmet.

 

Martin Luther steht auch im Mittelpunkt der aktuellen Egli-Ausstellung mit über 450 Figuren - erstmals an drei Standorten:
Vom 17. September - 15. Oktober 2017 in der Pauluskirche in Hamm und vom 19. Oktober - 19. November 2017 in der Montessori Gesamtschule in Sendenhorst und vom 22. November bis 3. Dezember 2017 im Marienhain in Vechta.
  

 

   Martin Luther wurde am 10. November 1483 wurde in Eisleben (Sachsen-Anhalt) geboren.
Er kam als Sohn des Ehepaares Hans und Margarete Luder auf die Welt.
(Erst später als Professor nannte er sich Martin Luther - aus Sorge um Verunglimpfung seines Namens.)
Einen Tag nach seiner Geburt wurde er getauft auf den Namen des Tagesheiligen: Martin von Tours.
Bald danach zogen die Eltern Luder mit dem Kind ins nahe gelegene Mansfeld, weil der Vater dort Arbeit suchte.

 

Dort wuchs Martin als Ältester von neun Geschwistern auf.
Die Kinder wurden von den Eltern sehr streng erzogen.
Vater Hans arbeitete als Bauer und Bergmann. Über die Jahre erwirtschaftete er ein beachtliches Vermögen, wurde Besitzer einer Schmelzhütte für die Verarbeitung von Erzen aus dem Harzbergbau - und angesehener Bürger der Stadt Mansfeld.

 

 

Martin Luther ging in Mansfeld zur Schule und lernte dort Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen und Latein.
Auch die Lehrer machten den Kindern damals Angst. „Gott sieht all eure Sünden“, lehrten sie die Kinder. „Ihr müsst brav sein, sonst müsst ihr im Höllenfeuer büßen.“

 

Als Martin lesen und schreiben gelernt hatte, brachte ihn sein Vater nach Magdeburg in die Klosterschule. Bei den Mönchen gefiel es Martin gut. Aber schon bald schickte ihn der Vater nach Eisenach.
  

 

In Eisenach nahm ihn die reiche und angesehene Kaufmannsfamilie Cotta auf.
Während dieser Zeit bekam Martin genug zu essen und hatte ein interessantes Leben, weil viele Gäste ein und aus gingen, die etwas von der Welt gesehen hatten.
Er lernte Latein, Griechisch und Hebräisch. Das Lernen fiel Martin leicht und bei den freundlichen Cottas verlor er allmählich seine Schüchternheit. Niemand schlug ihn mehr, - aber die Angst vor Gott blieb in ihm.
Martin war ein sehr guter Schüler, besonders begeisterten ihn die Fächer Musik und Dichtung. Er liebte das Singen und spielte die Laute.

 

Hier in Eisenach sang Martin in der Georgenkirche im Chor. Er erlebte mit, dass die "Gebeine" der Heiligen Elisabeth von Thüringen verehrt wurden. Viele Menschen pilgerten dorthin. Sie hofften darauf, in den Knochen, die Reliquien genannt werden, göttliche Kraft zu spüren. So lehrte es die Kirche und so lernte es Martin genau so wie alle anderen Schüler und Studenten.

 

 

Martins Eltern wünschten sich für ihren Sohn ein anderes Leben und eine andere Zukunft. Martin sollte eine angesehene Arbeit finden und gut verdienen.
Darum schickten die Eltern den 17-jährigen Martin an die Universität nach Erfurt. Hier studierte Martin Luther vier Jahr lang die sog. Sieben freien Künste, später die Rechte.
Nach bestandenem Examen, sollte Martin Rechtsgelehrter werden. Er gehorchte, aber es war nicht das, was er selbst wollte. Er wurde immer stiller. Die Angst saß tief in ihm.
Während seines Studiums besuchte Martin oft seine Familie in Mansfeld. Das war ein langer Fußmarsch, der mehrere Tage dauerte. Martin hatte Zeit, über sein Leben nachzudenken: „Was hatte das Leben für einen Sinn? Der Mensch kam zur Welt, wurde erwachsen und starb... Und wenn er gestorben war, musste er vor Gott treten wie vor einen strengen Richter. Und dann würde er im Höllenfeuer für seine Sünden büßen...“
So hatte Martin es gelernt - von den Eltern und Lehrern, von den Priestern in der Kirche und von den Professoren an der Uni.
Die Angst vor Tod und Höllenfeuer kam wieder zum Vorschein.

 

Einmal - es war am 2. Juli 1505 - geschah unterwegs etwas Sonderbares.

 

   Martin geriet auf seinem Rückweg nach Erfurt bei dem Dorf Stotternheim in ein schweres Gewitter. Zunächst ging er einfach weiter. Doch plötzlich schlugen neben ihm Blitze ein. Martin bekam Todesangst.
In seiner Verzweiflung erinnerte er sich an Gebete, die er schon bei seinen Eltern gehört hatte: „Heilige Anna“, so rief er nach der Schutzpatronin der Bergleute, „rette mich vor diesem schrecklichen Unwetter. Wenn ich am Leben bleibe, will ich ins Kloster gehen und Mönch werden, das verspreche ich.“

 

Martin wurde gerettet - und er ging zum Entsetzen seiner Eltern am 17. Juli 1505, zwei Wochen nach dem Gewitter, ins Erfurter Augustinerkloster.
Dort wohnte er ein halbes Jahr im Gästehaus des Klosters. Er brauchte für das Eintreten ins Kloster die Erlaubnis seines Vaters, doch dieser wollte ihm seine Zustimmung nicht geben. Martin sollte weiterstudieren.
Zum ersten Mal gehorchte Martin seinem Vater nicht.
Als die Pest ausbrach, starben zwei Brüder von Martin. Die Eltern sahen darin Gottes Strafe. Widerwillig erlaubte der Vater seinem Sohn nun, Mönch zu werden.
   

 

Als Mönch tauschte Martin seine Kleidung gegen eine grob gewebte Kutte und führte schon in der Probezeit als Novize ein Leben nach strengen Regeln und Vorschriften.
Sieben mal am Tag riefen die Glocken zum Gebet. Dazwischen wurde gearbeitet und studiert, gegessen und geschlafen.
Martin lebte wie alle Mönche in Armut, ihm gehörte nichts. Er teilte sich mit den anderen Mönchen einen riesigen Schlafsaal, ein einfacher Strohsack war sein Bett.
In der Bibliothek stand das Studium der Bücher an. Außerdem mussten Texte von Hand abgeschrieben werden. Auch Kochen und Putzen, Gartenarbeit und Betteln gehörte zu den Tätigkeiten der Mönche.
Jeder Mönch verpflichtete sich zu täglichen Gebetszeiten - allein und in der Gemeinschaft.
Gemeinsam wurde auch gegessen - oft nur einmal am Tag.

 

 

 

 

 

 

Nach einem Jahr legte Martin die drei Mönchsgelübde ab - und verpflichtete sich, arm zu leben, nicht zu heiraten und seinem Vorgesetzten zu gehorchen.
Bruder Martin wollte ein guter Mönch sein.
Wenn die anderen einen Tag lang fasteten und nichts aßen, fastete er zwei.
Wenn die anderen zu festgelegten Zeiten beteten, betete er auch noch in der Zeit dazwischen. Wenn die anderen ihre Sünden bekannt hatten und getröstet weitergingen, kehrte Bruder Martin zurück, weil er fürchtete, eine Sünde vergessen zu haben.
Johann von Staupitz, der Abt des Klosters, bemerkte, dass Bruder Martin übertrieb und gab ihm eine neue Aufgabe: Martin sollte Theologie studieren und Priester werden.
Martin freute sich darüber, noch mehr von Gott zu erfahren und machte sich mit Eifer ans Studium.

 

1507 wurde Martin Luther zum Priester geweiht und feierte in der Augustinerkirche seine erste Messe, zu der sogar sein Vater kam, der ihn vorher nie im Kloster besucht hatte.

 

 

Martin Luther wurde ins Augustinerkloster nach Wittenberg versetzt.
Er hielt sich gewissenhaft an die Mönchsregeln, und dennoch quälten ihn ständig Zweifel.
Er fragte sich: „Ist das, was ich tue, gut genug für Gott?“
Martin wurde seine große Angst nicht los.

 

Durch sein Theologie-Studium wurde er für seinen Mönchsorden zu einer anerkannten Persönlichkeit. Er bekam die Lehrbeauftragung für Philosophie an der Universität.
1510 wurde ihm eine wichtige Aufgabe übertragen:

 

Er sollte nach Rom reisen, um sich mit Vertretern des Papstes zu treffen und zu beraten.

 

Viele Wochen war er mit einem Mönchsbruder unterwegs - durch Deutschland, die Schweiz und Italien.

 

 

In Rom erschreckte Bruder Martin besonders der dort erlebte Sittenverfall.
Kirchliche Ämter konnten gekauft werden.
Viele Menschen fürchteten sich genau wie Martin Luther vor Gott und hatten Angst vor Höllenstrafen. Sie bezahlten Geld für sogenannte Ablassbriefe und hofften so auf Rettung, denn die Kirchenmänner versprachen, dass durch die geleistete Zahlung die Sünden von Gott vergeben würden.

 

 

Die Ablassbriefe wurden auf dem Marktplatz im Auftrag des Papstes verkauft. Zwar kaufte Martin in seiner Angst wie viele andere Pilger auch einen Ablassbrief, aber es störte ihn, dass die ‚reiche Kirche‘ unermüdlich damit beschäftigt war, noch mehr Geld einzutreiben - auch wenn es für den Bau des prachtvollen Petersdoms gebraucht wurde.
Martin war wütend über solche Geschäfte. Wie konnte man sie vermeiden?
Martin nahm diese Frage mit auf seinen Rückweg.
Er musste eine Antwort darauf finden...

 

 

 

...und merkte, dass er mit seinen Fragen und Zweifeln nicht allein war.
Er vertraute sich Johann von Staupitz an, dem Vorsteher der Augustinermönche und Leiter der Wittenberger Universität. Obwohl dieser Martins quälende Frage „Was muss ein gläubiger Christ tun, um von Gott geliebt zu werden?“ kannte, bot er ihm 1508 eine Stelle als Theologieprofessor für Bibelauslegung an der Universität Wittenberg an. Die Arbeit am Lehrstuhl für Altes und Neues Testament führte Luther zu einem Wandlungsprozess.
Tage und Nächte grübelte er im Wittenberger Klosterturm über seine Fragen und Zweifel nach. „War es möglich, dass Gott die Sünden der Menschen zusammenzählte wie ein Buchhalter? Kein Mensch konnte doch leben, ohne Fehler zu machen...?“
Bruder Martin schlug die Bibel auf und im Brief des Apostels Paulus stand in griechischer Sprache ein Satz, den er immer und immer wieder las, obwohl er ihn längst kannte. Er übersetzte: „Gott ist gerecht. Wer darauf vertraut, der wird leben!“
Martin Luther hatte die Antwort auf seine Fragen gefunden: „Wer an Gott glaubt und ihm vertraut, der braucht keine Angst zu haben! Gott liebt jeden Menschen so, wie er ist! Gottes Liebe muss nicht verdient oder erkauft werden. Sie ist ein Geschenk, dass jeder nur anzunehmen braucht.“
Martin war sich jetzt ganz sicher: „Nur der Glaube führte zu Gottes Gnade, nicht kirchliche Mittel oder gar ein Ablassbrief. Vor Gott muss sich niemand fürchten! Gott liebt jeden Menschen. Wer das glaubt, kann ohne Angst leben!“
Seine Zweifel verflogen. Martin Luther war wie befreit. Er predigte seine Überzeugung in den Gottesdiensten und erklärte es seinen Studenten.

 

1512 promovierte Martin Luther zum Doktor der Theologie.
Als Nachfolger von Johann von Staupitz übernahm er die Bibelprofessur an der Universität Wittenberg.
Schnell war Martin Luther sehr angesehen.

 

Neben seiner Professur wurde er als Prediger an die Stadtkirche berufen.
Seine Begeisterung steckte an. Immer mehr junge Menschen kamen nach Wittenberg, um bei ihm zu studieren. Es gefiel ihnen, was Martin Luther über den christlichen Glauben sagte. Ihnen gefiel auch, dass er es wagte, die Lehre der Kirche zu hinterfragen. Es war neu, dass ein Professor neben dem, was die Kirche sagte, auch das lehrte, was in der Bibel steht.
Martin Luther erklärte als Grundlage für den Glauben die Bibel - nicht die Auslegung von Kirchenvätern oder Päpsten...
Heute ist das für alle Christen selbstverständlich, doch damals stand er damit im Konflikt mit den römisch-katholischen Lehren.
  

 

Der Handel mit Ablassbriefen erreichte schließlich auch Wittenberg.
Johann Tetzel war einer der berühmtesten Ablassprediger, der durch den Verkauf der Briefe Geld für den Petersdom eintrieb. Sein Spruch: „ Sobald die Münz' im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt...“ gab den Anlass für Luthers Thesenanschlag...

 

 

Martin Luther konnte es nicht mehr hinnehmen, dass sich die Bürger Wittenbergs aus Angst von ihren Sünden freikauften.
Er wollte wissen, was andere Kirchenmänner über den Ablasshandel dachten und alle zu einem offenen Gespräch einladen. Er wollte nicht länger nur zornig sein, sondern handeln!
Die Menschen sollten erfahren, warum der Handel mit Ablassbriefen nicht in Ordnung war. In einer langen Liste schrieb Martin Luther alles auf, was ihn beschäftigte:
  • was Beichte und Buße für einen Sinn hatten
  • was er vom Ablasshandel hielt
  • wie er den Bau des Petersdoms einschätzte
  • und wie er über die Prediger dachte, die dafür Geld eintrieben...
Er klagte den Missbrauch beim Ablass an.
Beichte, Wallfahrt oder Kirchenbesuch mussten im 15. und 16. Jahrhundert nicht mehr sein, um Gottes Gnade zu erlangen.
In insgesamt 95 Thesen formulierte er seine Gedanken und Forderungen. Und der Druck mit beweglichen Lettern (Buchstaben-Druckstempeln) half, seine Schriften zu vervielfältigen und dann zu verteilen.

 

Ob Martin Luther seine Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen hat, ist historisch umstritten. Wahrscheinlich ist, dass sie per Brief am 31. Oktober 1517 in Umlauf gebracht wurden. In kurzer Zeit verbreiteten sich die Gedanken Luthers weit über Wittenberg hinaus - nicht nur die Bischöfe erfuhren davon, sondern auch der Papst in Rom.
Martin Luther nahm kein Blatt vor den Mund und äußerte seine Meinung auch in Briefen, die er mit „Martin Luther der Befreite“ unterschrieb.
Als Siegel benutzte er die „Lutherrose“ - in der Mitte ist ein Herz mit einem Kreuz zu erkennen. Damit will Martin aller Welt zeigen, wie wichtig ihm der Glaube an einen barmherzigen Gott ist.
Schnell sprach sich die Botschaft überall herum.

 

 

Doch es gab auch Menschen, die sich über Martin Luther ärgerten.
Der Papst hoffte zunächst, dass die ganze Aufregung bald vorbei ging.
Martin aber hörte nicht auf, davon zu erzählen: Gottes Liebe ist ein Geschenk für alle Menschen - und deshalb sollten alle Menschen davon erfahren.
Nach einem Jahr wurde Martin Luther vom Papst nach Rom vorgeladen, um sich dort für seine Thesen zu rechtfertigen.
Kurfürst Friedrich der Weise, der die Universität in Wittenberg gegründet hatte, ahnte nichts Gutes und wollte verhindern, dass einer seiner berühmtesten Universitätsgelehrten in Gefahr geriet. Er sorgte dafür, dass es nur zu einem Verhör in Augsburg kam - also auf deutschem Boden - und nicht in Rom, wo er Martin nicht mehr hätte beschützen können.
In Augsburg verlangte der Abgesandte des Papstes 1518, dass Martin Luther seine Thesen widerrufen und sich künftig nicht mehr in kirchliche Angelegenheiten einmischen solle.
Doch Martin dachte gar nicht daran, etwas zurückzunehmen und brachte sich dadurch in große Gefahr. Ehe der päpstliche Vertreter ihn jedoch verhaften konnte, gelang es Martin Luther nachts heimlich zu entkommen...

 

Immer weiter entfernte er sich von dem, was die Kirche vorschrieb. Schließlich erklärte er, dass sich die Kirche genauso wie der Papst irren könne.
Luther verfasste 1520 drei Hauptschriften, in denen er seine Lehre ausführte.
  • Im Glauben sollte man sich nur nach der Bibel richten.
  • Weder dem Papst noch den kirchlichen Versammlungen stünde es zu, über Glaubensdinge zu urteilen.
  • Von den sieben Sakramenten der katholischen Kirche ließ er nur noch die Taufe und das Abendmahl bestehen.
Diese Schriften machten Martin Luther im ganzen Land bekannt...

 

Darauf hin erreichte ihn in Wittenberg ein päpstlicher Beschluss mit der Drohung, ihn aus der Kirche auszuschließen (zu verbannen).

 

Dieses Schreiben (von Papst Leo X.) verbrannte Martin Luther am 10. Dezember 1520 zusammen mit anderen Schriften der Kirche öffentlich auf dem Marktplatz in Wittenberg.

 

Papst und Kaiser waren sich nun endgültig einig: Martin Luther war ein gefährlicher Störenfried, der verschwinden musste.
Am 3. Januar 1521 wurde der Bann über Martin Luther ausgesprochen.
Er wurde „exkommuniziert“, d.h. aus der Kirche ausgeschlossen.

 

 

Obwohl der Ausschluss aus der Kirche damit besiegelt war, forderte der erst 19jährige Kaiser Karl V. Martin Luther im Jahr 1521 auf, zum Reichstag nach Worms zu kommen. Hier wollten Vertreter der Kirche, der Städte und einige Fürsten Martin zum Schweigen bringen. Er sollte seine Lehren widerrufen.
Martin wusste, dass sein Leben auf dem Spiel stand. Mit gemischten Gefühlen machte er sich auf den Weg nach Worms, um sich dem Verhör zu stellen. Er war zwei Wochen unterwegs und predigte in Gotha, Erfurt und Eisenach. Überall wurde Martin Luther begeistert empfangen, auch in Worms.
Als Martin vom Kaiser aufgefordert wurde, seine Lehren und alles, was er geschrieben hatte, zurückzunehmen, blieb er standhaft und widerrief nichts. Vielmehr berief er sich auf seinen Glauben, die Bibel, sein Gewissen und seine Vernunft.
Bis heute wird erzählt, er habe folgende berühmte Worte gesagt: „Hier stehe ich und kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“

 

 

Der Kaiser verhängte über Martin Luther die „Reichsacht“ - niemand durfte ihn bei sich aufnehmen oder ihm etwas zu essen geben, jeder konnte ihn auf offener Straße töten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Martin Luther schwebte in großer Lebensgefahr. Weil der Kaiser ihm jedoch noch 21 Tage freies Geleit versprochen hatte, konnte Martin Worms sicher verlassen.

 

Kurfürst Friedrich der Weise beschloss, Martin Luther zu retten.
Er ließ ihn am 4. Mai 1521 im Thüringer Wald entführen.
Es sollte so aussehen, als sei Martin von Räubern verschleppt und vielleicht sogar ermordet worden.
Für Papst und Kaiser war Martin Luther nun keine Gefahr mehr.

 

 

 

Doch Martin Luther wurde auf die Wartburg gebracht und versteckte sich dort unter dem Decknamen Junker Jörg.
Hier auf der Wartburg nutzte er die Zeit für das Studium der Bibel, die in fremden Sprachen aufgeschrieben war.
Das sollte sich jetzt ändern: Martin übersetzte den zweiten Teil der Bibel, das Neue Testament, in ein gut verständliches Deutsch.
Er arbeitete Tag und Nacht - und brauchte nur elf Wochen für die Übersetzung.
Bis heute wird erzählt, Martin habe beim Übersetzen der Bibel auch einmal mit einem Tintenfass nach dem Teufel geworfen.
(Wirklich überliefert ist, dass er aufschrieb, den Teufel mit Tinte - also mit der niedergeschriebenen Bibel - vertrieben zu haben.)

 

 

Überall im Land versammelten sich Menschen, die Fragen stellten und frei von ihrem Glauben erzählten. Sie ließen sich nicht mehr alles von den Mächtigen vorschreiben. Dabei kam es immer öfter zu Streit und Unruhen, weil einige Reformatoren weitreichende Veränderungen forderten. Martin Luther hörte auf der Wartburg davon.
Am 1. März 1522 wagte er sich nach rund 10 Monaten aus seinem Versteck und kehrte nach Wittenberg zurück. Mit mehreren Predigten beendete er die dortigen Unruhen.
  

 

   Er überzeugte die Bürger von bedeutsamen Veränderungen (Reformen): Er wollte neue Kirchenordnungen verfassen, u.a. dass jeder die Bibel lesen und sich bilden dürfe und dass mehr Gottesdienste in deutscher Sprache gefeiert werden sollen.
Aber Frieden zu stiften, ist schwer. Es kam zum Krieg zwischen den Bauern und den Fürsten. Martin Luther musste erkennen, dass er nicht immer die richtigen Worte fand. Er machte Fehler wie jeder Mensch. Aber er spürte auch: Wer auf Gott vertraut, der bekommt Mut, wenn es um wichtige Entscheidungen für das eigene Leben geht.

 

Überall im Land wurden Martin Luthers Worte und Taten gehört und gelesen - auch im Kloster Marienthron, das mehrere Tagesreisen von Wittenberg entfernt lag. Die Frauen, die dort abgeschieden von der Welt als Nonnen lebten, lasen erstaunt die Schriften Luthers. Weil es ihnen strengstens verboten war, das Kloster zu verlassen, baten sie Martin Luther in einem heimlichen Schreiben um Hilfe.
Tatsächlich half Luther den Nonnen, heraus zu kommen:
Versteckt in großen Holzfässern kamen die Frauen wohlbehalten in Wittenberg an.
  

 

Eine von ihnen war Katharina von Bora. Sie hatte mit 16 Jahren ihr Gelübde als Nonne abgelegt.
In Wittenberg war die 24jährige zunächst auf sich allein gestellt. Doch sie hatte Glück und fand im Haus von Lucas Cranach und seiner Familie eine Bleibe. Cranach hatte sich nicht nur als Maler, sondern auch als Apotheker und Bürgermeister um Wittenberg verdient gemacht hatte. Außerdem besaß Cranach eine Buchhandlung und hatte die Möglichkeit, Schriften zu vervielfältigen.
Katharina von Bora konnte als junge Frau, die sich vom Kloster losgesagt hatte, nicht allein bleiben. Sie brauchte einen Ehemann. Martin Luther suchte Heiratskandidaten für sie. Doch die eigenwillige Katharina lehnte die Männer ab.
Sie war aus dem Kloster geflohen, um in Freiheit allein auf Gott zu vertrauen.

 

 

Gegen Martin Luther selbst hatte Katharina von Bora dann am Ende nichts mehr einzuwenden. Immerhin war er mit Anfang 40 als Universitätsprofessor ein sehr berühmter Mann...

 

Am 13. Juni 1525 wurden sie in der Stadtkirche zu Wittenberg getraut von Johannes Bugenhagen, Luthers Freund und Beichtvater. Nur das Brautpaar und vier Trauzeugen waren anwesend: das Ehepaar Cranach und zwei befreundete Reformatoren.

 

Die Eheschließung zwischen dem ehemaligen Mönch und der entflohenen Nonne entwickelte sich zum Skandal. Lange mussten Martin und seine Frau Katharina viel Spott und üble Nachrede aushalten, selbst die engsten Vertrauten Martins fanden es nicht gut, dass ihr Freund geheiratet hatte.
Doch Martin Luther zeigte mit dieser Eheschließung dem Papst und der ganzen Welt, dass auch ein Mann der Kirche Frau und Familie haben konnte.
Damit stellte sich Martin Luther gegen den Zölibat - die Ehelosigkeit der Priester, die noch bis heute in der katholischen Kirche grundlegend ist.

 

Martin und Katharina lebten in Wittenberg.
Luthers Habe zum Zeitpunkt der Eheschließung war mehr als bescheiden.
Der Kurfürst hatte ihm das verwahrloste "Schwarze Kloster" überlassen.
Katharina machte es im Laufe der Zeit zu einem wohnlichen Heim mit angeschlossener Pension für Studenten und andere Gäste. Um für alle den Lebensunterhalt zu sichern, hielt man außerdem Vieh und pachtete zusätzliche Ackerfläche zur Bewirtschaftung - alles in Katharinas Regie.
Sie führte die Geschäfte und machte Luther in nur 15 Jahren zu einem der größten Grundbesitzer Wittenbergs. Von Martin wurde sie deshalb auch "Herr Käthe" genannt.
Das "Schwarze Kloster" wurde eine Pilgerstätte der Reformation.
Und Katharina nahm an den theologischen Diskussionen ihres Mannes teil, an den berühmt gewordenen Tischgesprächen.

 

 

21 Jahre lang lebten Katharina und Luther zusammen und vertrauten auf die Liebe Gottes. Sie gaben dieses Vertrauen an ihre sechs Kinder weiter, an Elisabeth und Magdalena - beide früh verstorben -, Johannes, Martin, Paul und Margarethe.
Neben den eigenen versorgte die Familie noch bis zu neun Pflegekinder.

 

Martin arbeitete weiterhin als Professor in Wittenberg.
Er zeigte den Studenten, wie spannend es ist, in der Bibel zu lesen.
Aber er sprach nicht nur für seine Studenten. Er machte weite Reisen durch das Land. Alle, die ihm zuhören wollten, konnten sonntags in der Kirche mit ihm Gottesdienst feiern. Weil er alles auf Deutsch erklärte, verstanden die Menschen endlich, was in der Kirche gesprochen wurde.

 

 

1529, beim Reichstag in Speyer wurde festgelegt, dass sich die „neue Gemeinschaft der Kirche“ Protestanten nennen konnte. (Sie hatten gegen der Beschluss der katholischen Mehrheit ‚Protest‘ eingelegt. Viele Protestanten bezeichnen sich selbst als ‚evangelisch‘, weil die Grundlage ihres Glaubens allein das Evangelium von Jesus Christus ist.)
Mehrere Fürstentümer und Städte schlossen sich den Protestanten an und wurden von Kaiser Karl geduldet.

 

Martin Luther hatte mit anderen Reformatoren auch den ersten Teil der Bibel anhand der hebräischen und griechischen Urtexte übersetzt.
1534 erschien die erste gedruckte Bibel in deutscher Sprache.
Sie konnte überall gelesen werden.

 

Martin schonte sich nicht und nahm keine Rücksicht auf seine Gesundheit. Er schrieb, predigte, lehrte und half, die Kirche umzugestalten.
Katharina half Martin, seine vielen körperlichen Leiden und seelischen Qualen durchzustehen.

 

Jahrelang litt Luther an Krankheiten wie Nieren- und Blasensteine und Arthritis. Er war stark übergewichtig.
Seine Gesundheit hatte sich im Laufe der Jahre immer weiter verschlechtert, wozu sicherlich auch der mehrjährige Kampf mit Rom beigetragen hatte.

 

Bis zu seinem Tod war Martin Luther Dekan (Vorsteher) an der theologischen Fakultät.
Am 15. Februar 1546 hielt er seine letzte Predigt in Eisleben. Er war in die Stadt gereist, um einen Streit zwischen den Fürsten zu Mansfeld zu schlichten.

 

Martin Luther starb am 18. Februar 1546 im Alter von 62 Jahren in seiner Geburtsstadt Eisleben.
Am Abend vorher bekam er Schmerzen in der Brust.
Als er zu Bett ging, betete er: „In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, mein Herr, du treuer Gott.“ - das Gebet der Sterbenden. Nachts bekam er einen Schlaganfall und starb.
(Eisleben führt zu Ehren Martin Luthers den Beinamen Lutherstadt.)
Beigesetzt wurde er am 22. Februar unter der Kanzel in der Wittenberger Schlosskirche.

 

 

 

Durch den Tod ihres Mannes änderte sich das Leben für Katharina Luther dramatisch.
Händler verweigerten ihr die Ware, weil sie fürchteten, nicht mehr bezahlt zu werden.
Obwohl Luther sie per Testament als Universalerbin und Vormund für die Kinder eingesetzt hatte, brauchte die Witwe selbst einen Vormund.
Erst nach einem Machtwort des Kurfürsten Johann des Beständigen durfte sie das Erbe - unter der Kontrolle von Treuhändern - antreten und konnte die Kinder bei sich behalten. Zudem verschlechterten sich die politischen Umstände.
Schon ein halbes Jahr nach Luthers Tod, im Herbst 1546, bedrohten die katholischen kaiserlichen Truppen Wittenberg. Katharina musste aus der Stadt fliehen. Nachdem auch Magdeburg, wo sie sich länger aufhielt, in Gefahr war, versuchte sie an den Hof des dänischen Königs zu gelangen. Als sich die Lage unerwartet beruhigte, kehrte sie 1547 nach Wittenberg zurück.
Sie fand Ställe, Felder und Gärten leer und verwüstet, das Haus hingegen unversehrt.
Durch den Krieg wurde die Universität weitgehend aufgelöst, die Pension, die Studenten beherbergt hatte, war keine Lebensgrundlage mehr.
Sie schlug sich die nächsten Jahre mit Spenden und fremder Hilfe durch. Dann brach im Sommer 1552 in Wittenberg erneut die Pest aus. Diesmal beschloss Katharina von Bora, vor der Seuche nach Torgau zu fliehen. Auf der Fahrt kam es zu einem schweren Unfall mit dem Fuhrwerk, von den Verletzungen erholte sie sich nicht mehr. Zwei Monate voller furchtbarer Schmerzen rang die inzwischen 53jährige mit dem Tod. Am 20. Dezember 1552 starb sie.

 

 

500 Jahren Reformation - Was ist geblieben?

 

Bis heute lesen viele Menschen die Bibel und erfahren:
Gott ist wie der Gute Vater, er liebt jeden Menschen!

 

 

Gut, dass in jedem Gottesdienst aus der Bibel vorgelesen und dazu gepredigt wird.
Gut, dass wir die Bibel heute selbst lesen können.
Gut, dass Martin Luther die Bibel für die Menschen übersetzt hat!
Zum 500. Geburtstag Martin Luthers 1983 wurde in der BRD eine 5-DM-Münze mit Martin Luthers Porträt gedruckt. Auf der Randinschrift ist zu lesen: „Gottes Wort bleibt in Ewigkeit.“

 

Die Kirchenspaltung in evangelisch und katholisch war von Martin Luther nicht beabsichtigt.
Er wollt lediglich Missstände korrigieren. Die Lehre Martin Luthers löste Kriege aus und es brauchte Zeit, bis in Europa Religionsfrieden einkehrte.
Christen wünschen sich, dass es in der Welt friedlich und gerecht zugeht. In der einen Welt sollen alle Religionen Platz haben und jeder Mensch hat das Recht, seine Religion frei zu wählen.
Mit mehr als 2 Milliarden Gläubigen bilden die Christen die größte Religionsgemeinschaft.
74 Millionen davon sind Lutheraner, die sich jedes Jahr am 31. Oktober, dem Reformationstag, daran erinnern, dass Martin Luther im Jahr 1517 seine Wittenberger Thesen veröffentlicht hat.
Wichtig ist allen bis heute, dass Gott barmherzig ist. Niemand muss sich die Liebe Gottes "verdienen". Sie ist ein Geschenk. …und das verbindet uns mit allen, die an Gott glauben.
So hat Martin Luther erreicht, dass sich die Christen neu mit den Inhalten ihres Glaubens beschäftigen, dass sie nicht alles widerspruchslos hinnehmen… Die Ablassbriefe sind abgeschafft.
Heute sprechen wir oft vom ökumenischen Miteinander und schauen dabei auf die Vielfalt in unseren Kirchen, auf das Gemeinsame, das viel wichtiger ist als das Trennende.
  • dazu gehört die Bibel als schriftliches Fundament unseres Glaubens
  • dazu gehört auch die Toleranz zwischen den Religionen und Konfessionen.

 

 

Zu Martin Luther gehört auch eine Seite, die uns nicht gefällt: Er hatte ein gespaltenes Verhältnis zu den Juden.
Hatte er vergessen, dass Jesus ein Jude war?

 

Schon als Kind liebte Martin in der Schule besonders die Fächer Musik und Dichtung.
So ist es nicht verwunderlich, dass Martin Luther viele Lieder komponiert und gedichtet hat, die bis heute in den Gottesdiensten gesungen werden.
Auch eines der schönsten Weihnachtslieder stammt von Martin Luther: „Vom Himmel hoch da komm ich her“. Luther schrieb es 1535 für seine Kinder und begründete damit zugleich die Tradition des Liedersingens zum Weihnachtsfest.

 

 

Viele Menschen wissen nicht, dass wir Martin Luther noch etwas verdanken:
Er hat das Weihnachtsfest, so wie wir es heute kennen, ‚erfunden‘ oder zumindest maßgeblich geprägt.
Noch zu Luthers Kindheit wurden die Kinder am 6. Dezember beschenkt, der Nikolaus brachte kleine Gaben.
Es war Martin Luther, der das Christkind erfand, einen blondgelockten Engel, und die Bescherung am Heiligen Abend gleich dazu. Luther wollte, dass die Geburt Christi im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht - und sie sollte als fröhliches Familienfest gefeiert werden.
Eines der berühmtesten Bilder des Reformators zeigt Luther im Kreise seiner Lieben, gruppiert um einen kerzengeschmückten Weihnachtsbaum. Allerdings entstand dieses Bild erst rund 300 Jahre nach Luthers Tod. Luther selbst kannte noch keinen geschmückten Tannenbaum, der zog erst später in deutsche Stuben ein. Es zeigt aber, wie sehr sein Name verbunden ist mit den Festtagsbräuchen, wie sie bis heute gepflegt werden.

 

 

 

 

Die Ausstellumg läuft noch bis zum 03. Dezember 2017 in Vechta. Besuchen Sie uns!

 

Nähere Informationen hier

 

 

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